|
|
Auswertung Seminarwoche vom 21.07.2008 – 25.07.2008
Kenia Musikprojekt 2008
Nachdem das kenianischen Team schon ein paar Tage Eingewöhnungszeit in
Deutschland hatte und schon einige Leute des deutschen Teams, die nähere
Umgebung und auch schon ein kleines bisschen Hauptstadt kennen gelernt hatte,
konnte am Montagmorgen das offizielle Kenia Musik Projekt 2008 starten. Insgesamt
nahmen an dem 5wöchigen Projekt 16 kenianische und 23 deutsche Jugendliche
teil. Aufgrund einer Doppelbuchung mussten wir uns kurzfristig um eine alternative
Unterbringung kümmern und konnten in der Nähe eine Ferienanlage mit echter
DDR-Ausstattung buchen, was logistisch recht gut gelegen war und gleichzeitig
zeigte, dass man auch in Deutschland mit einfachstem Standard auskommen kann.
Das Kennen lernen und die Aufteilung in Familiengruppen erfolgte
problemlos, denn alle waren aufeinander neugierig und erwartungsvoll. Sehr
positiv war, dass 2 Kenianer schon ein Jahr in Deutschland waren und
andererseits auch fast alle kenianischen Teammitglieder kannten. So konnten sie
gut als Vermittler arbeiten. Es gab sowohl ein deutsches als auch ein
kenianisches Leitungsteam, die gemeinsam die Absprachen machten und die
Tagesaufgaben verteilten. Von den Außenanlagen her war das Gelände sehr
weitläufig und man konnte viele Freizeitaktivitäten wie Volleyball, Basketball,
Fußball, Tischtennis, Baden und vieles mehr machen.
Allerdings wurde auch intensiv gearbeitet. So fanden die einzelnen
Vorträge mit meist sehr engagierten Gesprächsrunden statt. Sehr interessant
waren die beiden Gastredner Dave Sweet und Carsten Schwarz, weil sie eine Menge
Erfahrung in ihren Arbeitsbereichen haben und trotzdem gut die Sprache der
Jugendlichen sprechen konnten. Sie konnten viele gute Beispiele bringen, die
zum Teil amüsant waren, weil für uns Deutsche so typisch, für die Kenianer aber
manchmal recht aufschlussreich. Wichtig war auch die Einbeziehung ostdeutscher
Geschichte, weil die Auswirkungen gerade im kirchlichen Bereich sehr gravierend
sind. Auch Collo konnte mit seinem Beitrag darauf Bezug nehmen, weil vieles,
was er in dem vergangenen Jahr erlebt hatte, auch damit zu tun hatte. In den
anderen drei Vorträgen ging es um soziale und gesellschaftliche Themen. Gerade als Christen sehen wir oft eine
besondere Verantwortung, wenn es um sozial benachteiligte Menschen geht. Gloria
Nsimba hat ein FSJ in Dortmund bei Kings Kids absolviert und dort aktiv Kinder
und Jugendliche aus sehr problematischen Stadtteilen betreut. Sie sprach über
die Motivation der Mitarbeiter, diese Arbeit zu machen. Ähnlich gestaltete sich
auch der Beitrag von Timothy über die Arbeit mit jugendlichen Slumbewohnern, wo
es wichtig ist, ein wenig Struktur und Sinn durch kleine Arbeitsaufgaben in den
Alltag zu bringen. Und sehr interessant war auch zu hören, wie in Kenia nach
den schweren politischen Unruhen daran gearbeitet wird, Aufklärung, Versöhnung
und Aufarbeitung durchzuführen. Gerade einige kirchliche Mitarbeiter haben es
sich zur Aufgabe gemacht, besonders betroffene Orte zu besuchen und mit den
verschiedenen Volksstämmen Dialoge zu führen, damit der Frust und Hass nicht n
ur verdrängt wird und irgendwann wieder hervorbricht, sondern dass wirklich
nach Lösungen gesucht wird.
Und nicht zuletzt spielte die Musik eine große Rolle, denn schließlich
war es unser gemeinsames Anliegen, ein Konzertprogramm auf die Beine zu
stellen, um damit auf Tour zu gehen. Es ist immer wieder faszinierend zu sehen,
wie sich die unterschiedlichen musikalischen Traditionen bereichern, auf der
eine Seite Spontaneität, Kreativität, Rhythmusgefühl und Körpersprache, auf der
anderen Seite eine Vielzahl von Instrumenten, hohes musikalisches Können, und
mehrstimmigen Chorgesang auf der anderen Seite. Es macht jedenfalls immer
wieder viel Spaß, wenn ein neues Stück erarbeitet wurde.
Natürlich gab es auch einige Probleme, die bearbeitet werden mussten. So
waren die meisten Kenianer doch etwas reifere Jugend und meistens auch ziemlich
professionell, sodass sie anfangs doch etwas irritiert waren, mit so viel
jungen Jugendlichen zusammen zu arbeiten. Auch hatten sie höhere Erwartungen an
die Ausstattung der Technik. Für sie war es ein Lernprozess zu sehen, dass
einem auch in Deutschland nicht alles zufliegt und dass man dafür oft hart
arbeiten muss. Für das deutsche Leitungsteam war es manchmal schwierig, sich
durchzusetzen. Wichtig waren dann immer wieder die Leitertreffen, wo über
Unterschiede diskutiert wurde und einvernehmliche Lösungen geschaffen wurden.
Insgesamt finde ich es ganz toll, dass es das Kenia Projekt schon seit
über 4 Jahren gibt und obwohl die Älteren oft zum Studium weggehen, immer
wieder neue Leute dazu kommen. Auch jetzt gibt es wieder regelmäßige Treffen
zum Austausch und zum Proben und nach einer kleineren Sommertournee 2009 soll
wieder ein gemeinsames Projekt 2010 in Kenia vorbereitet werden.
Lea Kretzschmar
zurück
|
|
|